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Kommentar: Ampelroulette oder ‚Rien ne va plus‘ für die Bundesliga

Freitagmittag in der Bundeshauptstadt. Die Regierungsspitze rund um Kanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober tritt an die Öffentlichkeit und präsentiert in einer Pressekonferenz die neuesten Maßnahmen in Sachen Corona-Pandemie. Aufgrund der zuletzt stark gestiegenen Fallzahlen sieht man sich zum Reagieren gezwungen und verschärft österreichweit die Auflagen, was die Benützung des öffentlichen Raumes, Veranstaltungen und diverse Zusammenkünfte anbelangt. So weit, so verständlich. Sollte man meinen. Doch ist dem wirklich so?

In den letzten Wochen und Monaten schwebte die von Kanzler Kurz vielzitierte „Corona-Ampel“ wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Österreicherinnen und Österreicher. In tausenden Arbeitsstunden und mit großer Vorlaufzeit konzeptioniert, wurde die vierstufige Ampel vor einer Woche scharf geschalten und aktiviert. Ausgestattet mit einem klaren Regulativ und Vorgaben, welche Maßnahmen bei den unterschiedlichen Farbgebungen gelten, sollte es die Corona-Lichtzeichenanlage möglich machen, lokal begrenzt auf steigende Fallzahlen, unterschiedliche Entwicklungen und etwaige Viruscluster und Infektionshotspots reagieren zu können.

Geregelter Stadion-Zugang für Medien beim Bundesliga-Restart im Juni / © GEPA

Großer Aufwand

An die besagten Entwicklungen angelehnt, hat jeder der zwölf Bundesligisten in Österreich ein maßgeschneidertes Konzept für Heimspiele in der kommenden Bundesliga-Saison erarbeitet. Jedes einzelne wurde von den lokalen Behörden abgesegnet und für tauglich befunden. Die maximale Zuschauerzahl, die sich während eines Bundesligaspiels im Stadion aufhalten darf, wurde von der Politik mit 10.000 Personen gedeckelt. Darin eingeschlossen sind auch Spieler, der Trainerstab, Ordner, Vereinsmitarbeiter und Journalisten. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien und unter Beachtung der Maximalkapazität der Spielstätte, war es dem FC Red Bull Salzburg möglich, rund 9.500 Abokarten für die kommende Spielzeit zu verkaufen. Dies geschah auch, alle aufgelegten Karten wurden bereits Wochen vor dem Ligastart an den Fan gebracht. Alle verfügbaren Plätze der Red Bull Arena schienen gefüllt.

Jetzt kommt wieder die Ampel ins Spiel. Bei einer grünen Schaltung sollte laut Konzept an der Kapazität von 10.000 Zuschauern nicht gerüttelt werden. Wechselt die Farbe auf Gelb, wird auf 5.000 erlaubte Besucher reduziert und die bereits im Vorfeld in zwei Gruppen eingeteilten Fans sollten in diesem Fall jedes zweite Spiel im Stadion sehen dürfen. Erst wenn die Ampel in Orange leuchtet, stünde den Vereinen wieder Geisterspiele ins Haus. Und im Falle von Rot würde Fußball im Lande ohnehin eines der geringsten Probleme sein.

Für die Katz‘!

Nachdem dieses Konzept wochenlang durch die Medien geisterte und alle Klubs unter den geltenden Vorgaben ihren Maßnahmenkatalog für den Bundesliga-Herbst ausarbeiteten, stand dem Start nichts mehr im Wege. Denkste!

Just am Starttag der Bundesliga verkündete Bundeskanzler Kurz ob der steigenden Infektionszahlen im Lande eine Verschärfung der bestehenden Regelungen, eine noch strengere Maskenpflicht und eine großflächige Reduzierung der maximal erlaubten Kapazitäten bei Massenveranstaltungen. Im für den Fußballfan relevanten Bereich sprechen wir hier von einer Reduktion von 10.000 auf lediglich 3.000 Besucher bei Outdoorevents. Selbst bei grüner Corona-Ampel.

Und genau dieser Fakt ist es, den der Fußballfan wohl nur schwer nachvollziehen kann. Wozu ist wochen-, nein monatelang von einer ausgeklügelten Ampellösung die Rede, wenn diese dann nach wenigen Tagen ad absurdum geführt wird? Wozu erarbeiten Fußballklubs mit großem Aufwand umfangreiche Konzepte für einen möglichst reibungslosen Spielbetrieb, wenn diese dann als Folge einer einzigen Pressekonferenz in die Tonne getreten werden können?

Feierlichkeiten in einem leeren Stadion sollen mit Saisonstart der Vergangenheit angehören / © GEPA

Politische Interessen

„Weil die Bundesregierung plötzlich doch nicht differenziert, sondern mit der Gießkanne vorgehen will“, müssten die Linzer „trotz Grün mit Maskenpflicht, Veranstaltungsabsagen und weiteren Belastungen rechnen“, zeigte sich etwa der Linzer Bürgermeister Klaus Luger alles andere als erfreut über das Vorgehen der Bundesregierung. Gesundheitssprecher Gerald Loacker von den NEOS fand ähnliche Worte: „Kein Mensch versteht, warum die Ampel nahezu im ganzen Land auf Grün steht, aber im ganzen Land, auch in den hintersten Tälern, die Maßnahmen verschärft werden“. Die FPÖ legte traditionell noch einen schärferen Ton an den Tag, schlug inhaltlich aber in eine vergleichbare Kerbe.

Ganz abgesehen von politischen Interessen, die gerade bei Aussagen von Oppositionspolitikern zweifelsohne mitschwingen, können wir auch als politisch neutral ausgerichtete Bürger dieses Landes die Maßnahmen zwar bis zu einem gewissen Grad ob der stark steigenden Infektionszahlen verstehen, kritisieren allerdings die Art und Weise, wie diese gefühlt willkürlich gesetzt werden. Dabei geht es uns gar nicht um juristische Spitzfindigkeiten, ob die Maßnahmen nun von der Ampel-Kommission, dem Gesundheitsministerium oder von höchster Stelle angeordnet werden. Uns geht es um die transparente und nachvollziehbare Darstellung für die Bevölkerung. Die eben im Hier und Jetzt in keinster Weise stattfindet.

Farbenspiele

Warum ist, bis auf vereinzelte Bezirke und Städte, beinahe ganz Österreich grün eingefärbt? Warum wird die Ampel nicht wie geplant angepasst und den steigenden Infektionszahlen somit Einhalt geboten? Warum schwört man Herrn und Frau Österreicher monatelang auf den Goldstandard Corona-Ampel ein, um diesen nur eine Woche nach Start der Lächerlichkeit preiszugeben? Die Maßnahmen wirken chaotisch und ohne Struktur – und haben dabei auch massive Auswirkungen für die Vereine.

Denn ohne einen großen Teil der Einnahmen aus den Ticketverkäufen schlittern gerade wirtschaftlich schlechter gestellte Vereine auf Sicht in eine „wirklich existenzbedrohende Lage“, so Bundesliga-Vorstandsvorsitzender Christian Ebenbauer. Auch in Salzburg zeigte man sich alles andere als erfreut.

„Leider müssen wir aufgrund einer erneut überraschenden, kurzfristigen und fragwürdigen Kommunikation der Bundesregierung unser Konzept überdenken“, lautete der ernüchternde Kommentar des Vereins in einer Aussendung zu der drastischen Kapazitäts-Beschränkung für Outdoor-Veranstaltungen.

Wer darf hinein?

Man wolle die Situation neu bewerten und bis spätestens Montag ein Konzept vorlegen, wie mit der nunmehrigen Einschränkung der Stadionbesuch aussehen kann. Natürlich vorausgesetzt, es bleibt bei der momentanen Regelung. Denn Kanzler Kurz sprach auch davon, dass das Ende der Maßnahmen-Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein muss – und die Einschränkungen über den Winter hinaus gelten könnten.

Ob nun die jüngsten, abgeschlossenen Abonnements ausgesetzt werden oder ob der Fan künftig nur bei jedem dritten Spiel im Stadion sein kann, werden die nächsten Tage zeigen. Aber egal wie die Lösung aussehen wird, Verlierer wird es zahlreiche geben.

Bei weiterhin steigenden Infektionszahlen könnte es außerdem zu einem Comeback von Geisterspielen kommen, was in wirtschaftlicher Hinsicht wohl das Worst-Case-Szenario darstellen würde. „Jedes Spiel ohne Zuschauer ist ein weiterer Schritt, dass die eine oder andere Liga nicht mit allen Clubs beendet werden kann“, sagte Ebenbauer. Wir hoffen, dass es soweit nicht kommen muss. Und dass sich Bundesregierung und Ampelkommission der Strahlkraft und möglicher Konsequenzen ihrer weitreichenden Entscheidungen bewusst sind.

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