S12.at - Das Blog der FC Red Bull Salzburg Fans

Aller guten Dinge sind 12!

Als der FC Salzburg zum ersten Mal versuchte, sich für die Gruppenphase der UEFA Champions League zu qualifizieren, fuhr Formel 1-Legende Michael Schumacher Rennen für Ferrari, war Wolfgang Schüssel Bundeskanzler der Republik Österreich, das iPhone noch nicht einmal geboren und der heutige Salzburg-Spielmacher Dominik Szoboszlai fünf (!) Jahre alt. Dass im Sommer 2006 eine im Weltfußball beinahe beispiellose Leidenszeit beginnen sollte, konnte zum damaligen Zeitpunkt niemand ahnen.

Wir schreiben den 22. August 2006. Der FC Salzburg kam dank einem 1:0-Hinspielerfolg gegen den FC Valencia mit großen Hoffnungen auf das Erreichen der UEFA Champions League in den Fußballtempel Mestalla an die spanische Mittelmeerküste. Sollte er tatsächlich bereits im ersten Versuch nach dem Einstieg von Red Bull gelingen? Der Einzug in die Gruppenphase der Königsklasse?

Leider nicht. Salzburg unterlag, auch wenn Vratislav Lokvenc beim Stand von 0:2 kurz vor dem Ende das so ersehnte Auswärtstor auf dem Fuß hatte, klar und deutlich mit 0:3 und stieg um in den UEFA Cup, den Vorgänger der Europa League.

 

2006: Aufhauser und Co. verlieren in Valencia mit 0:3 / © GEPA

Nicht im Traum dachte auch nur einer der damals beteiligten Akteure daran, dass diesem gescheiterten Versuch sage und schreibe zehn weitere, erfolglose K.O.-Duelle folgen würden. Von unverdient bis unglücklich, von peinlich bis selbstverschuldet war alles dabei, was das Qualifikations-Portfolio zu bieten hat. Manchmal fehlten nur wenige Minuten, ein anderes Mal ein klares Konzept oder schlichtweg etwas Glück, das man in solchen Duellen einfach benötigt.

 

DRAMA IN DONEZK UND ÜBERMÄCHTIGE ISRAELIS

Ein Jahr nach Valencia ging es auf der Landkarte in die genau entgegengesetzte Richtung. Die Ukraine war das Ziel, Schachtjor Donezk der Gegner. Ein von Milliardär Rinat Achmetov mit Geld aufgepumpter Bergarbeiterklub, der Salzburgs Traum im Jahr 2007 platzen lassen sollte. Wieder holte man einen 1:0-Heimerfolg und reiste mit vielen Hoffnungen in die Ostukraine, doch das Rückspiel wurde ungleich dramatischer und knapper als im Jahr zuvor. Remo Meyer sorgte bereits nach fünf Spielminuten für den Auswärtstreffer, der noch in der Anfangsphase ausgeglichen wurde. Allerdings hielt die Trapattoni-Elf das Remis bis tief in die zweite Spielhälfte und sah schon wie der sichere Aufsteiger aus. Doch zwei Tore in der Schlussviertelstunde rissen die Salzburger noch aus den Champions-League-Träumen.

 

Auch Trapattoni konnte es nicht richten. Eine Niederlage in Donezk war der Sargnagel 2007 / © GEPA

Die Qualifikation, dessen letzte Runde seit der Saison 2009/10 Play-Off genannt wird, ging mit zwei Duellen gegen israelische Teams weiter. Und beide Male hatte Salzburg, trainiert von Huub Stevens, das Nachsehen. 2009 gewann Maccabi Haifa beide Spiele und auch 2010 sah es nach dem Hinspiel und einer 2:3-Heimniederlage gegen Hapoel Tel-Aviv schon nach dem sicheren K.O. aus. Doch im Rückspiel ging man durch ein Eigentor in Führung und drückte bis in die Nachspielzeit auf das erlösende 2:0, musste in der Schlussminute jedoch den Ausgleich hinnehmen.

 

PEINLICHE PLEITE GEGEN HALBPROFIS

Waren die Teams aus Israel zum damaligen Zeitpunkt wohl einfach zu stark, kam es im Jahr 2012 zu einem Duell, welches Salzburg klassisch selbst in den Sand gesetzt hat. Eigentlich braucht es nur einen Namen: Düdelingen! Der luxemburgische Meister wurde bereits in der zweiten von vier Qualifikationsrunden zum Sargnagel für Salzburg und deren Neo-Coach Roger Schmidt. Nach dem 0:1 im Hinspiel blamierte man sich vor lediglich 6.600 Zuschauern in der heimischen Arena, lag zweimal zurück, gewann zwar mit 4:3, doch das war am Ende zu wenig. Das mit Halb-Amateuren bestückte F91 Düdelingen warf den österreichischen Meister sensationell aus dem Bewerb und in der Folge mussten die Salzburger Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Vor allem die internationale Presse zerriss sich das Maul über die „Versager von der Salzach“.

 

Der Gipfel der Peinlichkeit: Düdelingen! / © GEPA

Allerdings hatte Düdelingen auch etwas Gutes. Der wenige Wochen zuvor installierte Sportdirektor Ralf Rangnick krempelte das Team um und fortan ging es sportlich nur noch in eine Richtung – nach oben!

So forderte man 2013 Fenerbahce Istanbul zum Duell heraus und ließ den mit zahlreichen Stars bestückten, türkischen Spitzenklub spielerisch ziemlich alt aussehen. Nach einer Fülle von ungenutzten Torchancen ging man im Hinspiel zu Hause 20 Minuten vor dem Ende hochverdient in Führung, gab diese nach einem Elfmeter in der Nachspielzeit jedoch noch aus der Hand. Im Rückspiel unterlag Salzburg nach Führung 1:3 und musste wieder einmal die Segel streichen, scheiterte allerdings nicht nur am Gegner, sondern vor allem an der eigenen Chancenauswertung.

 

SWEDBANK-STADION: TOR ZUR HÖLLE

Eine ideale Überleitung zum ersten von zwei Duellen mit Malmö FF. Zu Hause dominierte Salzburg den schwedischen Meister nach Belieben, hatte Chancen für fünf, sechs Tore, schoss jedoch nur zwei und musste in der 90. Minute den bitteren Auswärtstreffer der Schweden hinnehmen. Im Play-Off-Rückspiel verpasste Malmö den Salzburgern eine Abfuhr und schoss die Hütter-Elf, angepeitscht von mehr als 20.000 frenetischen Anhängern, mit 3:0 aus dem Swedbank-Stadion.

Im darauffolgenden Jahr kam es erneut zum Aufeinandertreffen zwischen Malmö und Salzburg. Und wieder kam der österreichische Meister in Schweden mit 0:3 unter die Räder. Diesmal reichte nicht einmal ein 2:0-Heimerfolg zum Weiterkommen.

 

Malmö wurde gleich zweimal zur Endstation / © GEPA

KROATISCHE PERIODE

2016 hatte man zum ersten Mal die Entscheidungspartie in der heimischen Red Bull Arena. Gegen Dinamo Zagreb hielt man, nach einem 1:1 in Kroatien, bis in die 87. Minute ein 1:0 und vergab Chancen auf eine höhere Führung. Dann kam es, wie es kommen musste. Zagreb glich aus und in der Verlängerung verließen Salzburg die Kräfte. Dinamo ging in Führung und zog schließlich in die Gruppenphase ein.

Im Jahr darauf war wieder gegen eine kroatische Mannschaft Endstation. Rijeka zog gegen die mittlerweile von Marco Rose trainierte Salzburg-Elf mit zwei Remis aufgrund der Auswärtstorregel in das Play-Off ein – ermöglichte damit aber indirekt auch den sensationellen Erfolgslauf in der UEFA Europa League, der erst neun Monate später in einer dramatischen Halbfinal-Partie gegen Olympique Marseille enden sollte.

 

Ohne Niederlage raus: Zwei Remis besiegeln Salzburgs Out aufgrund der Auswärtstorregel in Rijeka / © GEPA

DER GIPFEL DER BITTERKEIT

Im Sommer 2018 schien Salzburg dann endgültig bereit zu sein. Der Großteil der Mannschaft konnte ebenso gehalten werden wie Erfolgscoach Marco Rose und so standen die Chancen so groß wie noch nie, erstmals in der Red Bull Ära in die Champions League einzuziehen. Die Auslosung bescherte Roter Stern Belgrad, das Hinspiel in Serbien fand nach einem UEFA-Entscheid ohne Zuschauer statt und die zweite Begegnung durfte in der heimischen Arena ausgetragen werden. Ideale Voraussetzungen? Mitnichten.

Nach einem torlosen Remis in Belgrad führte Salzburg als haushoch überlegene Mannschaft im Rückspiel bereits mit 2:0, gab dann innerhalb von 60 Sekunden die Begegnung aus der Hand und schluckte zwei Gegentreffer. Von diesem Schock konnte sich Salzburg nicht mehr erholen und musste den Serben den Vortritt lassen. Auch wenn es der Fan irgendwie schon gewohnt war, tat wohl kein Ausscheiden so weh als das im Jahr 2018.

 

Gegen Roter Stern Belgrad wurde eine 2:0-Führung noch verspielt / © GEPA

TRAUMDEBÜT IM VORJAHR

Vergangene Saison konnte man dann erstmals Champions-League-Luft in Salzburg schnuppern, da sich der nationale Meister der Saison 2018/19 über ein fixes Ticket in der Königsklasse freuen durfte. In einer Gruppe mit dem damals amtierenden Titelträger FC Liverpool, dem SSC Napoli und KRG Genk aus Belgien schlug sich Salzburg mehr als achtbar. Unvergessen wird vor allem das fulminante Debüt in der Gruppenphase bleiben, wo der belgische Meister, auch dank drei Haaland-Tore, beim 6:2-Auftaktsieg nicht wusste, wie ihm geschah. Und auch im Gedächtnis geblieben ist das knappe 3:4 in Liverpool, wo sich die Mannschaft nach 0:3 zwischenzeitlich auf 3:3 herankämpfte und am Ende nur knapp das Nachsehen hatte.

Salzburg beeindruckte Fans und Kritiker gleichermaßen, holte in Napoli ein Remis und fegte Genk auch auswärts vom Platz. So erarbeitete sich die Marsch-Truppe ein echtes Gruppen-Endspiel gegen den FC Liverpool um den Aufstieg ins Achtelfinale, welches allerdings in der heimischen Arena mit 0:2 verloren ging.

 

Das Team bewies im vergangenen Jahr: Salzburg gehört in die Königsklasse! / © GEPA

KEIN DRECKIGES DUTZEND

Nach der Corona-bedingten Zwangspause Anfang des Jahres startete die Mannschaft in der Meisterrunde der Bundesliga einen fulminanten Spurt in Richtung Meistertitel, konnte bei lediglich zwei Remis gegen den WAC alle anderen acht Spiele für sich entscheiden und den siebenten Titel en suite einfahren. Nachdem auch beinahe die gesamte Mannschaft zusammengehalten werden konnte, mit Hee-Chan Hwang verließ lediglich ein Stammspieler die Truppe, schien der FC Salzburg – wieder einmal – bereit zu sein, um das Play-Off zu überstehen.

Und dieses Mal war die Mannschaft auch bereit, behielt, aller Widrigkeiten zum Trotz, die Nerven und nahm die Hürde Maccabi Tel-Aviv am Ende souverän. Dass die Israelis ob des in Israel um sich greifenden Covid-19-Erregers personell stark dezimiert antreten mussten – geschenkt. Viel zu oft war es auch Salzburg, das gerade zu diesem Zeitpunkt der Saison das Pech buchstäblich an den Sohlen kleben hatte.

Von mangelndem Spielglück konnte hingegen im Jahr 2020 keine Rede sein. Denn im Rückspiel fielen sowohl der Elfmeter zum 2:1 von Szoboszlai, als auch das 3:1 durch Patson Daka just in den Spielphasen, wo die Gäste den Druck in Richtung Salzburg-Tor intensiviert hatten. Aber sei es, wie es sei. Nach elf erfolglosen Versuchen kann das Spielglück-Vogerl sich ruhig mal auf der Schulter der Salzburger und nicht auf der des Gegners niederlassen.

 

Im zwölften Versuch war es endlich geschafft: Salzburg qualifizierte sich über das Play-Off für die Gruppenphase / © GEPA

IM ZEICHEN DER PANDEMIE

Was bei aller Freude dennoch richtig geschmerzt hat, ist die Tatsache, dass die entscheidende Partie am Mittwochabend vor leeren Rängen ausgetragen werden musste. Denn das Salz in der Fußballsuppe sind nicht nur die Tore und die Gustostückerl auf dem Rasen, sondern auch die Interaktion des Anhanges mit dem Gebotenen. Emotionale Momente, großer Jubel und auch bittere Enttäuschungen sind und waren immer der Grund, warum der Fußballfan ins Stadion nach Wals-Siezenheim pilgerte. Dass er das im Moment nicht in der Form kann, wie er es liebt und gewohnt ist, ist bis zu einem gewissen Grad nötig und verständlich. Umso wehmütiger blickt man allerdings zur heutigen Auslosung der Gruppenphase, wo dann die richtig harten Brocken dem FC Salzburg zugelost – und die Matches wohl allesamt vor verschlossenen Türen ausgetragen werden.

Ein bekanntes Kürzel unter Fußballfanatikern ist A.C.A.B., man findet es an Hausmauern, auf Stadiontoren, Raststationen, Brücken und überall dort, wo sich Fußballfans herumtreiben. Wofür das „C“ unserer Meinung nach in diesen Tagen steht, sollte wohl klar sein.

 

Bitte sag es deinen
  • Freunden
  • Familienmitgliedern
  • Kollegen
weiter!

Bitte weitersagen!

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on pinterest
Pinterest
Share on reddit
Reddit
Share on whatsapp
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion von S12.at wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. Wir behalten uns insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende oder den guten Sitten widersprechende bzw. dem Ansehen von S12.at zuwiderlaufende Beiträge zu löschen.

Weitere Beiträge

Über den Autor

Unsere Unterstützer

Ohne Unterstützung geht es nicht. Deswegen möchten wir uns umso herzlicher bei allen bedanken, die unser Fanprojekt am Leben halten!

Du möchtest unser Fanprojekt unterstützen? Mit jeder Spende ist uns sehr geholfen!